UA-130689567-1
Ihre Browserversion ist veraltet. Wir empfehlen, Ihren Browser auf die neueste Version zu aktualisieren.

Tätowieren

 

 

***Vor dem Stechen- was ist zu beachten?***

Zunächst einmal sollte man sich grundlegende Gedanken zur Wahl des Motivs und dessen Platzierung machen- ein gelungenes Tattoo erfordert einen guten Untergrund wie ein schönes Bild den passenden Rahmen. Die Stelle, an welcher es später gestochen wird, sollte möglichst frei von Reizungen sein. Wer unter Allergien, Ekzemen oder sehr empfindlicher Haut leidet, sollte seinen Entschluss zunächst einmal mit seinem behandelnden Hautarzt besprechen und ggf. überdenken. Auch Menschen, welche aufgrund von Krankheiten blutverdünnende Medikamente einnehmen müssen, sollten unbedingt mit ihrem Arzt Rücksprache halten. Hochschwangere Frauen sowie Menschen, bei denen eine Epilepsie oder Diabetes diagnostiziert wurde, sollten aufgrund der erhöhten Risken ihres körperlichen Befindens zuliebe auf Tattoos verzichten. Bei Unsicherheiten bezüglich der Stelle allein jedoch hilft oft der geschulte Blick des Tätowierers- immerhin verfügt er über die dementsprechende Erfahrung.

Beim ersten Tattoo sollten schmerzempfindliche Personen zunächst eine weniger sensible Stelle wählen- diese befinden sich in der Regel dort, wo das festere Gewebe sitzt (Oberarm- Außenseite, u. U. Bauch, Oberschenkel etc.). Schmerzempfindlich jedoch ist hingegen oftmals eher, wer zum tätowieren eine Stelle gewählt hat, an welcher sich sprichwörtlich „Haut und Knochen“ befindet (z.B. Schulterblatt, Wirbelsäule, Schienbein, Knöchel etc.).
Bei Personen mit leichten Kreislaufproblemen, niedrigem Blutdruck oder vergleichsweise hoher Sensibilität gegenüber Stresssituationen ist ein „Wegsacken“- mit anderen Worten ein kurzer aber drastischer Abfall der Kreislaufstabilität beim tätowieren - nicht auszuschließen. Zwar kommen solche Situationen eher selten vor und sind sehr schnell behoben, dennoch werden sie durch vermeidbare Faktoren wie dem Erscheinen zum Termin auf nüchternem Magen, zu geringer Flüssigkeitsaufnahme, zu wenig Schlaf oder übertriebenem Nikotinkonsum begünstigt…also empfiehlt sich hinsichtlich dessen natürlich die dementsprechende Prophylaxe.

Zusätzlich sollte bedacht werden, dass es je nach Beschaffenheit der Farben zu Allergien kommen kann- sind sie beispielsweise mit Schwermetallen belastet, so können diese zu unerwünschten Hautreaktionen führen. Insbesondere Reaktionen auf Rot- und Orangetöne wurden beobachtet- doch im Grunde sind Allergien eher die Ausnahme und kommen unter der Verwendung qualitativ hochwertiger Farben- welche man in professionellen Studios nutzt- nicht vor. Dennoch möchte ich nach kurzer Recherche die Liste der üblicherweise verwendeten Wirkstoffe der verschiedenen Farbtöne hinzufügen:

  • Schwarztöne - meist Eisenoxide
  • Blautöne - Kobaltaluminat
  • Rottöne - Cadmiumrot, Selenrot, Zinnober
  • Gelbtöne - Cadmiumsulfid
  • Grüntöne - Chromoxide
  • Brauntöne - Eisensulfate
  • Violett - Mangansalze
  • Weiß - Zinkoxid, Titanoxid

***Auswahl des richtigen Studios- wie finde ich „meinen“ Tätowierer?***

Bevor nun an die eigentliche Durchführung des Vorhabens gedacht werden kann, sollte man sich natürlich zur Vermeidung späterer Enttäuschungen möglicht für das richtige Studio entscheiden. Wichtige Kriterien hierbei sind zweifellos

• Sauberkeit und Hygiene im Studio
• Absolute Sauberkeit und Helligkeit im Arbeitsbereich
• Ein Sterilisationsgerät muss vorhanden sein und genutzt werden
• Vorgehensweise des Tätowierers ( das Tragen von Handschuhen, die Sterilisation der Instrumente)
• Fachgerechte Beratung
• Konkrete Beantwortung bestehender Fragen bezüglich der Hygiene und Vorgehensweise
• Seriosität- Bei Minderjährigen (ab 16 Jahren) muss eine Einverständniserklärung der Eltern eingeholt werden!
• Die Klärung rechtlicher Fragen muss im Vorfeld gegeben sein

Zum Vergleich ist es zunächst wichtig, sich von mehreren Studios ein Bild zu machen um unter ihnen das richtige wählen zu können. Der Tätowierer sollte einen seriösen Eindruck erwecken und Kundenfragen gegenüber konkret und aufgeschlossen sein. Auskünfte bezüglich der verwendeten Farben und Instrumente sollten jederzeit einzuholen sein. Bei Unklarheiten oder Unsicherheiten jedoch sollte man sich lieber weiter umsehen- immerhin kann eine Fehlentscheidung bezüglich des Tattoos schlimmstenfalls das ganze Leben negativ beeinflussen. Risiken wie Infektionen durch mangelnde Hygiene MÜSSEN absolut ausgeschlossen werden!!!

Sollte man sich über das Motiv noch nicht vollkommen schlüssig sein, so verfügen Tätowierer in der Regel über zahlreiche Ordner voller Motive zur freien Auswahl. Zudem ist es meist möglich, im Fall einer anderen Vorstellung das gewünschte Motiv selbst einzureichen oder sogar mit dem Tätowierer auszuarbeiten. Spezielle Wünsche wie Farbänderungen oder ergänzende Vorstellungen sollten vorher angegeben werden, um diese zu besprechen und gegebenenfalls zu überarbeiten.
Gewisse Motive sind nicht überall erhältlich- aufgrund negativer Erfahrungen gibt es z.B. mittlerweile viele Tätowierer, die sich weigern, ihren Kunden Namen zu tätowieren- zurecht, denn im Gegensatz zum Tattoo sind Beziehungen oftmals vergänglich- was bleibt, ist die Erinnerung in Form schön verzierter Buchstaben und ein verärgerter Kunde, der plötzlich so gar nicht mehr zufrieden ist mit seinem Motiv. Ein Umstand, den sich sowohl der Kunde als auch der Tätowierer ersparen kann…

Wie wahrscheinlich jeder Künstler haben auch Tätowierer oftmals unterschiedliche Stilrichtungen, bevorzugte Gestaltungen/ Motivarten und verschieden ausgeprägte Fähigkeiten im Bereich ihrer Werke (Schattierung, Zusammenspiel der Farben, Coloration, Schatten…). Um diese herauszufinden und sich über die Wirkung derer bewusst zu werden ist es ungeheuer wichtig, sich die Werke des Tätowierers einmal anzusehen. Bilder von bereits gestochenen Tattoos liegen meist im Schaufenster und in eigenen Ordnern aus, welche eigentlich ein jeder seriöse Tätowierer mit Stolz seinen potentiellen Kunden auf Anfrage zeigt. So erfährt man mehr über die unterschiedlichen Facetten seiner Arbeit, über sein Können und sein Talent…

***Das eigentliche Stechen- nun wird’s interessant ;o)***

Kommen wir nun, nach abgeschlossener Vorbereitung, zum wesentlichen Part: Dem eigentlichen Stechen des Motivs.
Im Vorfeld sollte gesagt werden, dass das Schmerzempfinden eines jeden Menschen unterschiedlich ist- so kann es sein, dass ein mancher den Schmerz, welchen er während des Tätowierens verspürt, als sehr harmlos und kaum spürbar bezeichnet, während jemand anderes wiederum von starken Schmerzen berichtet, die er kaum aushalten konnte. Im Allgemeinen kann man zusammenfassend sagen, dass die Außenlinien eines Motivs- welche als erstes gestochen werden- schmerzhafter sind als das Ausfüllen oder Schattieren einer größeren Fläche. Dies jedoch kann auch daran liegen, dass sich der Körper während der Prozedur allmählich an den Schmerz gewöhnt und ihn somit mit der Zeit weniger intensiv wahrnimmt als zu Anfang. Zudem spielt- wie bereits erwähnt- die gewählte Körperpartie oftmals eine entscheidende Rolle für das Maß an Schmerzen, welches eine Tätowierung dieser letztlich mit sich bringt. Betritt man zu seinem Termin das auserwählte Studio, so sollte man möglichst ausgeschlafen dort auftauchen und etwa eine Stunde zuvor noch etwas gegessen haben, um Komplikationen wie Kreislaufprobleme zu vermeiden. Alkoholkonsum vor dem Termin ist selbstverständlich absolut undenkbar- unter solchen Voraussetzungen wird es keinesfalls zur Durchführung des Termins kommen, denn niemand tätowiert unter dem durchaus gegebenen Risiko, welches durch Verdünnung und schwächerer Gerinnung des Blutes aufgrund von Alkohol entsteht. Im Idealfall jedoch, in welchem Risiken dieser Art ausgeschlossen werden können, erlebt man einen solchen oder ähnlichen Ablauf des Geschehens:

Erst einmal werden neue Nadeln in die Maschine eingesetzt, welche der Tätowierer einem dafür vorgesehenen sterilen Behältnis entnimmt. Die zu verwendende Farbe wird nicht aus der Flasche, in welcher sie sich befindet, direkt entnommen, sondern in sparsamer Dosierung in winzige, ebenfalls sterile Behälter gefüllt, aus welchen sie später mittels der Maschine aufgenommen werden kann. Zudem zieht er sich ein Paar neue Einweghandschuhe über- diese braucht er zum Schutz seines Kunden, welcher- frei nach Studio- entweder auf der Liege oder einem vorgesehenen Stuhl platznimmt, ebenso wie zu seinem eigenen. Anschließend wird die betreffende Hautstelle gründlich desinfiziert- hierzu werden alkoholhaltige Lösungen verwendet, welche verhindern, dass Bakterien sich in der frischen Wunde einnisten und dort Infektionen verursachen oder begünstigen können. Nun kann das vorgezeichnete Motivmuster aufgetragen und bearbeitet werden. Wie bereits geschildert werden zunächst die Außenlinien gestochen, im Anschluss wird das Motiv ausgefüllt und ggf. schattiert. Zu Anfang sowie im Laufe der gesamten Arbeitsdauer wird immer wieder Vaseline auf die Haut aufgetragen, um diese beruhigen und leichter bearbeiten zu können. Der Schmerz, welcher während des Tätowierens entsteht, ist vergleichbar mit dem einer offenen Schürfwunde, welche versorgt wird- unter Umständen an manchen Stellen des Motivs stärker, an anderen wiederum so schwach, dass es durch die Vibration der Nadeln nahezu einem Kitzeln gleichkommen kann- doch da es sehr schwierig zu umschreiben ist, sollte man sich diesbezüglich überraschen lassen. Ängstigen muss man sich zumindest nicht: Der Schmerz befindet sich in jedem Falle im Rahmen des Erträglichen- und bisher hat es noch jeder überlebt!

Ist das Motiv schließlich gestochen, so übernimmt der Tätowierer die erste Nachsorge, indem er es reinigt, desinfiziert, eincremt und abdeckt. Solange die Wunde offen ist, sondert sie Wundsekrete ab- diese sind zu Hause unter Beachtung der Pflegehinweise des Tätowierers sanft und schonend zu entfernen, um Schorfbildung und Entzündungsrisiko zu vermeiden. Die Hinweise, welche dem Kunden zur Pflege des frischen Tattoos mitgegeben werden, sind oftmals sehr unterschiedlich- ebenso gibt es Tätowierer, welche es zunächst mit Folie oder Verband schützen, während andere es wiederum nur leicht abdecken mit dem Argument, dass frische Luft für die Wundheilung noch immer das Beste sei. Wie auch immer- es ist natürlich in jedem Fall wichtig, die Hinweise des Tätowierers zu befolgen.

Der Preis für ein Tattoo variiert stark und lässt sich in jedem Fall lediglich vom ausgewählten Tätowierer erfragen. Bezüglich dessen spielen Motivgröße, Zeitaufwand, Anzahl der verwendeten Farben und Farbqualität eine große Rolle. In der Regel kann man wohl behaupten, die Preisspanne beginnt bei ca. 50 Euro für ein kleines, einfarbiges oder sehr unkompliziertes Motiv und ist nach oben offen…

***Nachsorge- damit es hält, was es verspricht***

Da die Farbpigmente nach dem Tätowieren teilweise durch das Lymphsystem wieder ausgeschieden werden können, zeigt sich das endgültige Ergebnis meist erst nach 2-6 Monaten. Sollte dieses jedoch nicht zufrieden stellend sein, so ist eine Korrektur durch eventuelles Nachstechen in der Regel im Preis inbegriffen.

Kurz nach dem Stechen ist das Tattoo sehr druck- und schmerzempfindlich, die Haut leicht gerötet oder sogar ein wenig geschwollen. Nach Entfernung der individuellen Schutzabdeckung ist es erst einmal ganz vorsichtig mit lauwarmem Wasser zu reinigen, um festgesetzte Wundsekrete, lose Farbpigmente und Schorfbildung zu beseitigen. Das regelmäßige und gründliche Händewaschen sollte selbstverständlich sein, bevor man mit der Wunde in Kontakt kommt- ansonsten besteht die Gefahr, dass Bakterien hineingeraten, was eine böse Entzündung zur Folge haben kann. Ist die tätowierte Hautpartie zu Anfang noch ungewöhnlich warm, so ist dies kein Grund zur Beunruhigung- es ist kein Zeichen für eine bevorstehende Entzündung sondern eine Nachwirkung des Erlebten und klingt bereits ab, sobald sich die erste Kruste gebildet hat- dies geschieht noch im Laufe des ersten Tages! Cremt man das Tattoo zum ersten Mal ein, so ist es meist noch etwas unangenehm- doch innerhalb kürzester Zeit lässt der Schmerz nach und die Heilung setzt ein.

Die eigentliche Heilungsdauer der Oberfläche beträgt- je nach Beschaffenheit der Haut - zwischen 7 und 21 Tage. Innerhalb dieser Zeit bildet sich auf dem Tattoo eine Kruste, welche sich nach und nach von ganz allein löst und schließlich abfällt. Das Abreißen dieser sollte man auf jeden Fall unterlassen. Dasselbe gilt für Sauna-, Fitnessstudio- und Solarienbesuche sowie für das Schwimmbad. Bis zur vollständigen Abheilung sollte man zudem langen Kontakt der Wunde mit Sonne und Wasser meiden und nicht zu warm duschen, da dies die Farbtiefe beeinträchtigen kann. Juckt oder spannt das Tattoo in der Abheilphase, so ist es wichtig, dieses daraufhin sorgfältig einzucremen- und zwar mit eben jener Salbe, welcher der Tätowierer für diesen Fall empfiehlt- auch dies kann wieder unterschiedlich sein, in manchen Fällen ist es Bepanthen, in anderen- wie in meinem- wird ganz schlicht und ergreifend zu Vaseline geraten- und auch diese hat sich wirklich bewährt (ich zumindest habe bisher nur gute Erfahrungen verzeichnen können). Dennoch, zu viel des Guten kann sich negativ auswirken: Cremt man in der Heilungszeit in übertriebener Sorge zu häufig ein, so kann es dazu kommen, dass ein Tattoo sich vorzeitig pellt und somit an wichtigen Farbpigmenten verliert, welche die Kruste normalerweise noch an die Haut abgegeben hätte. Die Folge ist in diesem Fall ein schnelles Verblassen des Motivs, was wirklich schade ist und sich vermeiden lässt, wenn man der Haut einfach die Zeit zu heilen gibt, welche sie benötigt. Unterstützen kann man sie darin natürlich auch- wenn man möglichst viel Luft an das Tattoo lässt- allerdings ist nicht die Rede von verqualmter Discoluft, welche in der Abheilungszeit sowieso tabu sein sollte, sondern davon, es, sofern Möglichkeit und Körperpartie es zulassen, zu Hause hin und wieder für eine Zeit von Kleidung unbedeckt zu lassen.

Ganz wichtig ist ebenfalls: Was immer geschieht, NICHT KRATZEN!! Insbesondere wenn das Tattoo sich pellt oder dieser Vorgang gerade vorüber ist, neigt es dazu, furchtbar zu jucken, doch um es nicht zu beschädigen oder gar einer Entzündung Tür und Tor zu öffnen, darf man dem Drang zu kratzen auf gar keinen Fall nachgeben.
Die Heilung verläuft nicht bei jedem Menschen gleich schnell oder schematisch- in manchen Fällen pellt sich ein Tattoo sogar zweimal bevor es komplett abgeheilt ist.
Doch ist der Heilungsprozess abgeschlossen, so erkennt man dies daran, dass die Haut sich über längeren Zeitraum bereits wieder glatt anfühlt, frei von Juckreiz und Druckempfindlichkeit ist und keine Krusten mehr aufweist. Nun ist es fertig- ein Kunstwerk fürs Leben.


***Zu guter Letzt- eigene Erfahrungen***

„wer schön sein will, muss leiden“ so lehrt uns ein altes, aber nicht ganz zu Unrecht bestehendes Sprichwort. Doch ein jeder Mensch definiert das Leiden an sich anders, und so kann ich lediglich für mich sprechen, wenn ich sage- so schlimm ist es nicht, als dass ich den „Schmerz“ ,welcher mehr oder –in meinem Fall- weniger damit verbunden ist, kein weiteres Mal auf mich nehmen würde (doch das wäre ja bereits bewiesen, sonst hätte ich es sicher nicht mehrmals getan *g*) Was ich persönlich äußern kann um zu begründen, warum mich Tattoos faszinieren, ist, dass ich die Kunst in ihrer Freiheit und Artenvielfalt als solche sehr schätze- und mitunter auch die Kunst am Körper, welche dazu beiträgt, sich zu entwickeln und zu verwirklichen, etwas nach Außen zu tragen, eine Botschaft auszudrücken, eine Erinnerung zu wahren.. oder was auch immer man selbst als „Motiv fürs Motiv“ bezeichnen möchte…in den Zeichnungen wird sie spürbar, die Präsenz irrealer, träumerischer Welten voll Fantasie, mit welchen ihre Träger verschmelzen… auch ich möchte somit ein Stück weit spielerisch der Realität entfliehen in meine Träume…

 

 

Bildergalerie